Titel
 

 

 

Chronik

Chronik von Corvus Albus

Wie alles begann...
Unsere Zeiten sind wahrhaft dunkel, voll Kampf, Krieg und Grausamkeiten. Zwei Könige kämpfen um Macht und Krone. In diesen dunklen Zeiten begann der Aufstieg des Ritterbundes der Weißen Raben. Ich, Roland von Hagen, Ritter und Lehnsmann seiner Eminenz Adolfs von Altena, Erzbischof von Köln, wurde dank der Gnade Gottes Zeuge von all den schönen, schrecklichen, guten und schlechten Ereignissen, die sich um diesen Ritterbund ereigneten. Von all diesen wunderbaren, furchtbaren, aber auch schönen Ereignissen, von Heldentaten, Liebe, Mut, aber auch von Betrug und Verrat will ich euch berichten.

1201 - 1202

Es begann in jenem kalten Winter des Jahres 1201 als ein bis dahin unbekannter Krieger, genannt Lüdegast von Sachsen, tapfere Männer und edle Frauen um sich scharrte, um einen Ritterbund ins Leben zu rufen. Aus vielerlei Landen kamen die Krieger und edlen Damen heran, aus der Grafschaft Mark, aus dem fernen Bistum Münster, aus der freien Reichsstadt Dortmund und sogar aus dem Fürstbistum Essen. Auch ich folgte dem Ruf und begab mich in die freie Hansestadt Breckerfeld, um mich dort dem Ritterbund anzuschließen.

Die dort versammelten Krieger und edlen Damen hätten jedem kaiserlichen Heer zur Ehre gereicht. Gregor von Wehringhusen war ein weithin gefürchteter Krieger. Kaum einer konnte wie er mit Schwert und Dolch umgehen. Der finstere Peter war weithin gefürchet, Ramo Lederkappe, ein Bogenschütze, dessen sichere Hand stets das Ziel fand, sogar ein Nordmann hatte den Weg zu uns gefunden. Aber auch die anwesenden Damen waren eine Zierde ihres Geschlechts. Die edle Ziska, hoch gebildet, die schöne Eleonore aus dem fernen Erzbistum Magdeburg, die liebreizende Isabella und natürlich meine Gattin Constance. Sie alle verdunkelten mit ihrem Liebreiz sogar den Glanz der Sonne. Unser Anführer Lüdegast, war ein Bär von einem Mann, angeblich der Sohn eines Schotten. Er unterwies uns in der Kunst des Kämpfens mit Schwert, Axt, Bogen und Lanze.

Unser Ruf verbreitete sich schnell und zog weitere tapfere Mannen und holde Damen zu uns. Wir wurden schließlich sogar ins ferne Land der Staufer zur Burg Landeck gerufen, um dort unsere Kampfkünste einem staunenden Publikum zu beweisen. Groß war der Ruhm, den unsere tapfere Schar dort erwarb. Doch schon bald zogen dunkle Wolken am Himmel auf. Unser Anführer Lüdegast, dem viele von uns vertraut hatten, erwies sich als Lügner und Betrüger. Böse Worte wurden gewechselt und unser Ritterbund, ein Musterbeispiel für Ehrenhaftigkeit und Treue zerbrach. Verzweiflung machte sich breit...

1203

Doch das Band der Freundschaft erwies sich als stärker als Lug und Betrug. Im Geheimen wuchs der Ritterbund erneut zusammen und wurde stärker als zuvor. Schnell wurde ein Advocatus gefunden und der betrügerische Lügner Lüdegast seiner Strafe zugeführt. Hell wie eine Fackel erstrahlte bald darauf erneut unser Ruhm. Bis ins ferne Mülheim, einem Ort an der Mündung der Ruhr, wurde unser Ruf vernommen. Unser wiedererrichteter Ruhm erstrahlte wieder bis ins ferne Stauferland und erneut wurden wir zur Burg Landeck gerufen, um unsere Kampfkünste zu präsentieren. Noch trefflicher als im Jahr zuvor zeigten wir unsere Waffenkunst, so dass es, so Gott will, es sein kann, dass auch im nächsten Jahr unser Kampfgeschrei wieder die Mauern der Burg Landeck zum Erbeben bringen wird.So wurde mit Gottes Hilfe unserer Ruf wieder hergestellt und Böses wandte sich zum Guten. Wir fanden treue neue Gefährten und sahen nun hoffnungsvoll in die weitere Zukunft.

Um unseren Ritterbund auf eine noch höhere und gottgefälligere Stufe zu stellen, beschlossen wir, ihn in die Reichsanalen eintragen zu lassen. In einer Versammlung gaben wir unserem Ritterbund eine feste Ordnung, festgehalten auf kostbarem Pergament. Aus unserer Mitte wählten wir in gottesfürchtiger Eintracht fünf edle Recken und holde Maiden, die als primes inter pares unseren Bund gegen die Unbillen der alltäglichen Welt vertreten sollten.
Durch einen Boten erfuhren wir zudem, dass auch im kommenden Jahr unsere Dienste im fernen Stauferland von Nöten sind, darüber hinaus wird unser Ritterbund auch an anderen Stätten sehnsüchtig erwartet. Der weitere gemeinsame Weg unserer Gemeinschaft in eine ruhmvolle Zeit scheint gerade erst begonnen zu haben.

1204

Im April des Jahres 1204 kam es zu folgenschweren Ereignissen. Kaiser Otto IV. rief zu einem Kriegszug gegen den aufständischen Burgherren der Burg Freienfels. Aus dem ganzen Heiligen Römischen Reich zogen die Ritter mit ihren Kriegern, teilweise auch mit ihren Frauen ins hessische Freienfels. Unterhalb der Burg schlugen sie ihr Lager auf, Zelte soweit das Auge sehen konnte. Es war annähernd ein Heer von 2.000 Kriegern (inklusive der Frauen) versammelt.
Ich wurde zusammen mit meiner Frau Constance, einem weiteren Ritter und mehreren Kriegsknechten ausgeschickt, um einen geeigneten Lagerplatz für unseren Ritterbund zu finden. Schnell war ein geeigneter Platz in Sichtweite gefunden und die Zelte aufgebaut. Alsbald traf der Rest unseres Bundes ein. Die Waffen wurden geschärft, die Rüstungen geölt und wir bereiteten uns auf die kommenden Kämpfe vor.
Die Verteidiger der Burg waren edle und tapfere Krieger, schon bald machten sie zahlreiche Ausfälle. Unterhalb der Burg kam es fast täglich zu harten Gefechten. Unserem Ritterbund war es leider nicht vergönnt, in diesen Gefechten Ruhm zu erwerben, wir wurden als Reserve in der Hinterhand gehalten, brauchten jedoch nie einzugreifen.

So tapfer die Krieger der Burg Freienfels waren, so verschlagen war ihr Anführer. Ein bulliger Krieger, von manchen Laurenz genannt, von anderen mit einem heidnischen Namen bedacht, der mit dem Buchstaben Z begann. Ich selbst vermag ihn nicht auszusprechen.
Die Krieger von Freienfels waren aber nicht der einzige Feind. Auch das Wetter wandte sich gegen uns. Der Himmel öffnete seine Schleusen und sindflutartiger Regen prasselte immer wieder auf uns hernieder. Aber auch das Wetter konnte uns nicht stoppen. Nach harten Kämpfen wurde die Burg Freienfels endlich gestürmt und ging in Flammen auf. Hell brannte der Bergfried in der Nacht. Der finstere Laurenz wurde vor aller Augen gedemütigt. Nach dem Sieg wurden die Lager alsbald abgebrochen und das Reichsheer löste sich auf. Nur wenige Monate nach unseren ruhmreichen Kämpfen um die Burg Freienfels wartete erneut eine Aufgabe auf unseren Ritterbund. Im Bergischen Land wurde von dem dortigen Grafen von Berg im kleinen Wolferode ein großer Jahrmarkt abgehalten, auf dem die besten Spielleute des ganzen Reiches ihre Kunst zeigen sollten. Da solch große Feste auch immer finsteres Gelichter anlockt, wurde unser Ritterbund vom Grafen von Berg gebeten, vor Ort für die Sicherheit der Spielleute und Besucher zu sorgen.

Wir schlugen unser Lager inmitten des Festgeländes auf und übernahmen während des dreitägigen Festes die Nachtwache. Nicht ein Dieb oder ähnliches Lumpenpack ließ sich blicken. Der Glanz unseres Ruhmes, der uns nach Wolferode vorausgeeilt war und der Glanz unserer Schwerter vertrieben all das finstere Gelichter. Die Kunde unserer Tapferkeit und unseres Mutes verbreiteten sich schnell unter den Jahrmarktbesuchern, die aus dem gesamten Deutschen Reich in teilweise wunderlichen Gewändern angereist waren. Schöne Frauen besuchten unser Lager und in den Schänken der Stadt waren wir gern gesehene Gäste. Nur der Himmel meinte es wieder nicht gut mit uns. Trotz der inbrünstigen Gebete eines mitgereisten Templerbruders öffnete der Himmel immer wieder seine Schleusen. Es war wie bei der sagenhaften Belagerung von Antiochia im ruhmreichen ersten Kreuzzug. Regen wechselte mit Hagel und schneidender Kälte. Dennoch trotzten wir wieder den Unbillen des Wetters und erfüllten auch diese Aufgabe zur vollsten Zufriedenheit unseres Auftraggebers. Nach einigen weiteren ruhmreichen Kriegszügen beschloss der edle Krieger Gregor von Wehringhusen im August des Jahres 1204 seine Verlobte Isabella von der Witte zu ehelichen. Ort dieser feierlichen Zeremonie sollte die Burg Broich an der Mündung der Ruhr werden.

Groß waren die Vorbereitungen und zahlreich die erlesenen Gäste. Die Feier suchte ihresgleichen, fast war man versucht, die üppigen Gerichte als sündig zu bezeichnen. Anläßlich der Feier wurde sogar ein Turnier abgehalten und überdies beehrte die Brautleute ein Fürstenpaar aus Frankreich.
Doch so gelungen das Fest nach außen schien, es trug den Keim des Unfriedens in sich. Während des ganzen Jahres 1204 hatte der Teufel mit Lügen und Intrigen versucht, unseren Ritterbund zu spalten. Schließlich gelang es ihm. Oftmals bewahrte uns nur unser fester Glaube davor, die Schwerter sprechen zulassen.
Verantwortlich gemacht für diese Teufeleien wurde fälschlicherweise meine Gemahlin Constance. Immer mehr Mitglieder unseres Bundes bezeichneten sie als Hexe und warfen ihr vor, den Bund mit ihren Machenschaften zerstören zu wollen. So verließen wir den Bund. Allerdings gingen wir nicht allein. Der edle Gregor von Wehringhusen mit seiner Gemahlin und die schöne Ziska von Stenz begleiteten uns, da sie nicht an die Gerüchte über meine Gemahlin glaubten.

Dieses Mal jedoch machte sich keine Verzweiflung breit. Wir waren froh, die bösen Anschuldigungen hinter uns gelassen zu haben und begannen mit großem Eifer, einen neuen Bund zu schmieden. Schon bald gesellten sich wieder edle Krieger und schöne Damen zu uns.
Hedwig war eine Adelige aus dem fernen Jütland und reich begütert. Ihr Vater, offenbar ein Nachkomme von Wikingern, hatte es tatsächlich entgegen jeder Tradition und den Regeln unserer Heiligen Mutter Kirche gewagt, sie im Umgang mit Bogen, Speer, Schwert und Schild auszubilden. Sophia wuchs als Findelkind bei einer Bauersfamilie auf, bis sie schließlich in den Dienst der Adelsfamilie von der Homberghöhe trat. Als die dortigen Söhne Alexander und Wolfram in den Knappendienst traten, folgte sie ihnen. Nun dienst sie als Magd im Hause derer zu Hagen. David war der Bruder unser langjährigen Bundesgenossin Ziska. Er, obwohl Ritter, verdiente sich seinen Lebensunterhalt mit dem Verkauf von heiligen Reliquien, über dessen Herkunft er allerdings eisernes Schweigen bewahrte.
Eingedenk der bösen Erfahrungen, die wir bisher gemacht hatten, beschlossen wir, unserem neuen Bund den Namen „Corvus Albus – die weißen Raben“ zu geben. Niemals wieder wollten wir uns unterdrücken und falschen Beschuldigungen aussetzen lassen. Wir werden nun unseren eigenen Weg gehen.
Möge der Allmächtige uns auf diesem Weg begleiten und schützend seine Hand über uns halten, auf dass Lug und Betrug für immer aus unseren Herzen verbannt sein sollen.

1205

So segensreich das Jahr 1204 mit der Schaffung unseres neuen Bundes geendet hatte, so erfolgreich begann das Jahr 1205. Mein Bruder Thomas hatte sich schon früh vom edlen Handwerk des Krieges abgewendet und sich ganz der Forschung und Lehre verschrieben. Er lehrte an einer berühmten Schule im Territorium der Edelherren von der Lippe. Bereits im Jahr 1204 hatte er unseren Bund gebeten, seinen Schülern die edlen Künste des Waffenhandwerks zu zeigen. So zogen wir an einem verregneten Februartag ins entfernte Lipperode und führten vor den erstaunten und bewundernden Blicken zahlreicher Schüler und Scolare unsere Waffenkünste vor.

Bald zog unser neu erstrahlender Ruhm neue Gefolgsleute an. Landogar vom Rösteberg mit seiner Gemahlin Lioba und seinen beiden Söhnen Cedric und Robin war ein reich begüterter Adeliger aus dem Münsterland. Ihnen folgte alsbald Kasimir von Bocksberg mit seiner Gattin Loreena, ein weithin berühmter Schwertkämpfer. Nur wenige waren in der Lage, ihm mit Schwert und Dolch die Stirn zu bieten.

Mit dieser erlesenen Schar zogen wir ins ferne Hessen, um dort bei der Ronneburg einem prachtvollen Turnier beizuwohnen. Edle Recken aus dem ganzen heiligen Römischen Reich waren dort zugegen und täglich wurden prachtvolle Turniere abgehalten. Auch dem edlen Kasimir gelang es, mit dem Schwert seinen Ruhm noch zu vergrößern. Anders als im verfluchten Jahr 1204 meinte es diesmal der Himmel recht gut mit uns. Nur selten wurden wir von Regenschauern geplagt, denen oft schon bald die Sonne folgte. Mit frohem Gemüt zogen wir nach Beendigung des Turniers wieder in unsere Heimat.

Nur wenige Wochen später ereilte uns der Ruf der weithin berühmten Universität der freien Reichsstadt Dortmund. Dort wurde ein großes Fest gefeiert, um der ruhmreichen Geschichte der altehrwürdigen Universität zu gedenken. Einer der an der Universität lehrenden Doctores hatte von unserem guten Ruf gehört und bat darum, dass wir unsere Waffenkünste präsentierten, einer Bitte, der wir gerne folgten. Auf dem Gelände der Universität trafen wir mach seltsame Gestalten aus aller Herren Länder, hörten fremdartige Musik und kosteten die seltsamsten Speisen. Unser Lager und unsere Waffenkünste zogen zahlreiche Menschen an, so dass unser guter Ruf weitere Verbreitung fand.

Im August des Jahres 1205 wurde unser Bund zum Wasserschloß Werdringen gerufen. Dort galt es, für unseren edlen Lehnsherrn, den Erzbischof von Köln eine aufständige Stadt zu erobern. Groß waren unsere Heldentaten und schon bald war die Stadt bezwungen. Doch kure Zeit nach dem Sieg gerieten die Heerführer miteinander in Streit und es kam zu heftigen Kämpfen untereinander. Ich selbst gehörte zum Aufgebot des Gottfried von Rüdenberg. Leider erwies er sich als Verräter, ebenso wie Hunold von Plettenberg. Gemeinsam trotzen sie unserem obersten Heerführer, dem Herrn von Westerholt. Sie besetzten die gerade eroberte Stadt und schlugen mehrere Angriffe der Truppen von Westerholt zurück. Erst als die Stadt in Brand gesetzt wurde, griffen wir an, um unser Leben auf dem freien Feld zu verteidigen. In der daraufhin folgenden Schlacht wurden Gottfried von Rüdenberg und Hunold von Plettenberg besiegt. Auch ich fiel in die Hände der Sieger, mir wurde allerdings vergeben.

1206

Der Jahreswechsel 1205/ 1206 erwies sich für viele Menschen als harte Prüfung. Der Winter kam ungewöhnlich früh und hielt das Land lange in seinem eisigen Griff. Auch unsere Gefolgsleute im Münsterland traf der Winter hart. Sie waren für mehrere Tage auf ihrem Landsitz eingeschlossen ohne Kontakt zur Außenwelt.

Doch auch auch der schlimmste Winter endet einmal. Dennoch war die Zeit der schlechten Botschaften noch nicht vorüber. Unsere Gefährtin Hedwig verlies Westfalen, um ins ferne Stauerland zu ihrem Verlobten zu ziehn. Möge sie dort ihr Glück finden und stets mit Freude an die Weißen Raben denken. Aber nicht genug der Verluste. Auch Wolfram und Alexander von der Homberghöhe verließen unseren Bund, ebenso wie unsere Magd Sophie. Möge auch bei Ihnen der Herr über ihre Wege wachen.

Im April des Jahres rief Dietrich von Volmarstein alle Gefolgsleute zum Wasserschloß Werdringen, um dort eine Heerschau zu halten. Weiterhin wollte er seinen getreuen und dem Volk seine neue Rüstung präsentieren. Auch ich folgte seinem Ruf und bewunderte seine neue Rüstung.

Nur wenig später wurden wir erneut an eine Klosterschule gerufen, um dort unsere Künste zu zeigen. Wieder einmal waren Skolare und Schüler voll des Lobens für unsere Künste.

Wieder einmal war der Sommer gekommen und die Zeit der großen Turniere. So zog unser Bund erneut in die freie Reichsstadt Dortmund. Wieder einmal waren dort zahlreiche edlen Recken und schöne Damen versammelt. Händler aus vielerlei Länder priesen ihre Waren an. Leider zürnte der Himmel uns armen Menschen, die dort versammelt waren. Am letzten Tag fuhr ein schrecklicher Sturm mit sintflutartigem Regen uber das Festgelände und richtete schwere Zerstörungen an. Auch unser Bund blieb davon nicht verschont, eines unserer Zelte wurde schwer beschädigt, viele wertvolle Gegenstände und Kleider vollständig durchnässt. Hilfe leisteten uns bei den Aufräumarbeiten auch zwei neue Raben, der edle Ritter Rüdiger und das schöne Kindermädchen Marie. Hinzu kamen noch Lagergäste, wie etwa der Templer Robin und die Gauklerin Jocelyn mit ihrem Sohn Philipp.

Doch wie ließen uns von schlechtem Wetter nicht verdrießen. Schon bald darauf versammelten wir und alle wieder am Wasserschloß Werdringen, um dort wieder einmal dem staunenden Volk unsere Waffenkünste zu präsentieren. Ein prachtvolles Turnier war ebenfalls eine Augenweide für alle Anwesenden.

Alsbald danach zogen wir zu der Hansestadt Schwerte. Dort wurde ein großes Volksfest gegeben, welches wir zu schützen hatten. Wieder versammelte sich zahlreiches Volk aus aller Herren Länder. Offenbar waren viele Sünder darunter, da der Himmel wieder einmal seine Schleusen öffnete und uns starke Regenfälle bescherte. Diesmal allerdings verzichtete der Herr in seiner großen Güte darauf, uns auch einen starken Stum zu schicken.

Im August des Jahres 1206 lagerten wir zusammen mit vielen anderen edlen Recken und schönen Maiden in Telgte im Münsterland. Dort wurde eine große Hochzeit gefeiert. Wir verlebten unbeschwerte Tage dort, ohne vom Regen geplagt zu werden.

Den Abschluß des Jahres bildete ein großes Volksfest in dem Dorfe Altenberge, das nahe den Besitzungen von Landogar und Lioba vom Rösteberg liegt. Dorthin hatte man uns eingeladen, um dort eine Gerichtsverhandlung abzuhalten und um dem Volk wieder einmal unsere Kampfeskünste zu präsentieren. Groß war unser Erfolg und zahlreich die Dankesworte, die der Vogt von Altenberge unserem Bund spendete. Ein Wermutstropfen blieb mir jedoch. Diebe drangen nächstens in mein Zelt ein und stahlen mir mehrere wertvolle Pfeile. Leider erwiesen sich die Büttel von Altenberge als vollkommen unfähig, so dass die Diebe mit ihrer Beute davon kamen. Ich aber vertraue auf Gott, das diese elenden Schurken ihre Strafe noch bekommen werden und für ihre Mißetat in der Hölle brennen werden.

1207

Das Jahr 1207 erwies sich wieder als ein segensreiches Jahr für unseren Bund. Schon im Frühjahr besuchten wir eine Reihe von Märkten, darunter einen in der Stadt Osnabrück.

Das Jahr verlief weiterhin harmonisch. Um unsere Lagerstätten auf unseren zahlreichen Reisen noch komfortabler zu gestalten, ließen wir Edlen uns von einigen Schergen unvergleichliche Bettgestelle bauen. Somit waren wir in der Lage, auch nach härtesten Schlachten und langen Märschen unsere geschundenen Körper in duftendes Leinen zu legen, um so die wohlverdieneten Wonnen des Schlafes zu genießen.

In den darauf folgenden Wochen und Monaten waren wir allesamt eifig bedacht, den wohlgerühmten Namen unseres Bundes weiter in allen christlichen Landen zu verbreiten. Wir halfen Skolaren und unterstützen sogar ein Spectaculum, das im Wasserschloss Werdringen für kleine Jungfern abgehalten wurde. Dort an jener Stätte lernten die Jungfern die Aufgaben kennen, die sie später zu guten christlichen Ehefrauen und Müttern werden lassen sollten. Eine wahrhaftige Leistung der Skolare, die ihre Aufgabe jedoch mit großem Eifer und Erfolg meisterten.

Unser erstes Lager verlebten wir wieder einmal in der freien Reichsstadt Dortmund. Zahlreiche Besucher beehrten diesmal unser Lager. Wir verbrachten lustige Stunden bis spät in die Nacht bei guten Getränken unter unserem Baldachin. Diesmal war der Herr uns gnädig und schenkte uns wunderschöne Tage ohne den lästigen Regen der Vorjahre.

Nur wenig später brachen wir zu unserem zweiten Lager auf. Diesmal besuchten wir in der Nähe der Stadt Oberhausen die dort gelegene Burg Vondern. Zahlreiche Ritter aus der Grafschaft Mark mit ihren Damen waren dort anwesend und zeigten ihr Können bei zahlreichen Kämpfen. Zudem waren dort viele Händler aus aller Herren Länder. Abgesehen von einigen kleineren Regenschauern verlebten wir auch hier wunderschöne Tage. 

Den Jahresabschluss verbrachten wir traditionsgemäß wieder nahe der Stadt Münster in dem Städtchen Telgte. Obwohl wir dieses Jahr nur wenige an Zahl waren, war es doch ein würdiger Abschluss der Jahres. Neben den zahlreichen Ritter mit ihren Damen und den vielen Händlern fand dort ein Ereignis statt, dass viele erschreckte. Heiden aus fremden Ländern hatten tatsächlich einen Drachen, dem sie den Namen Fangdorn gegeben hatten, mit sich nach Telgte geführt. Zunächst wollten wir christlichen Ritter dieses heidnische Ungetüm angreifen und erschlagen, doch bald erkannten wir, dass es sich bei Fangdorn lediglich um eine Maschine handelte. In dem Bauch des vermeintlichen Drachen befanden sich Männer, die ihn lenkten. Nachdem wir dieses heidnischen Schauspiel durchschaut hatten, genossen wir dessen Auftritt.

Obwohl das Jahr so harmonisch verlief, mußten wir doch einen Verlust hinnehmen. Unser Bundesbruder und Ritter Kasimir von Bocksberg verließ uns mitsamt seiner schönen Gemahlin Loreena. Möge der Herr ihm auf seinem weiteren Lebensweg beistehen und ihn allzeit beschützen.

1208

Das Jahr 1208 war ein sehr ruhiges und beschauliches Jahr. Dennoch gab es ein großes Ereignis. Unser Bundesbruder Landogar mit seiner Gemahlin Lioba hatten ein neues Lehen verliehen bekommen und ließen sich dort eine neue Burg bauen. Es entstand ein unvergleichliches Bauwerk, das in den Landen um die Stadt Münster sicher schwerlich ein Gegenstück finden wird.

Unser erstes Lager schlugen wir in diesem Jahr an einem sehr ungewöhnlichen Orte auf. Nahe der Stadt Münster hatte sich ein holländischer Adeliger ein Bestiarium errichtet. Nun zeigte er dort der staunenden Christenheit seltene Tiere aus den verschiedensten Ländern.

Zur Eröffnung seines Bestiariums hatte er neben unserem Bund auch einige andere Ritter eingeladen. Wir verbrachten schöne Tage in dem parkähnlichen Gelände. Höhepunkt war sicherlich das Erscheinen eines Falkners, der viele beeindruckende Raubvögel präsentierte, darunter auch mehrere Eulen und einen Adler.

Nur kurze Zeit später lagerten wir wieder in seinem Bestiarium. Allerdings waren wir diesmal nur gering an Zahl. Die Tage begannen wunderschön, endeten jedoch in einem Sturm und Gewitter, das die Hölle nicht schlimmer hätte hervorbringen können. Nur mit Mühe konnten wir uns und unseren Besitz in Sicherheit bringen. Das Unwetter weckte böse Erinnerungen an das Jahr 1206 und den Sturm, den wir in Dortmund erlebt hatten.

Unser letztes Lager verlebten wir wieder einmal nahe dem schönen Wasserschloss Werdringen. Wir hatten liebe Gäste und Freunde eingeladen und gedachten, dort wieder einige schöne Tage zu verbingen. 

Dieses Jahr allerdings musste jemand der Herrn im Himmel erzürnt haben. In den frühen Nachmittagsstunden des zweiten Tages öffnete der Himmel seine Schleusen und entließ ungeheure Wassermengen. Alles versank im Wasser, in der nahegelegenen Reichsstadt Dortmund versanken ganze Straßenzüge im Wasser. So mag sich Noah gefühlt haben, als Gott es in seiner Weisheit und in seinem Zorn gefallen hat, die ganze Welt im Wasser zu ertränken. Erst spät am Abend ließen die ungeheuren Wassermengen nach, so dass wir wenigstens noch einen sonnigen Tag des Herrn verbringen konnten. Möge uns der Herr in Zukunft vor solchen Unwettern schützen.

1209

Das Jahr 1209 brachte uns viel Freunde. Wir wurden von den elenden Stürmen der letzten Jahre verschont und gewannen neue Mitglieder für unseren Bund.

Wir begannen das Jahr in einem außergewöhnlichen Bestiarium in der freien Reichsstadt Dortmund. Der dortige Magistrat hatte aus zahlreichen heidnischen Ländern gar seltsame Tiere zusammen getragen. Inmitten dieser seltsamen Schöpfungen verbrachten wir wunderschöne sonnige Tage. 

Nur kurze Zeit später durften wir einem besonderen Ereignis beiwohnen. Unsere Bundesschwester Jocelyn feierte einen besonderen Tag, ihren 50. Geburtstag. Wir Jüngere können uns nur in Ehrfucht vor diesem Alter und der damit sicherlich verbundenen Weisheit verneigen.

Im Mai des Jahres rief unser hochgeliebter Kaiser Otto IV. zu einem Reichstag ins ferne Braunschweig. Meine edle Gattin Constance und ich wurden für würdig befunden, unseren Bund dort zu vertreten. Somit reisten wir nach Braunschweig, wo uns eine besondere Ehre zuteil wurde, wir sahen unseren edlen Kaiser Otto IV.

Einige Zeit später brachen wir zu unserem traditionellen Lager in die Reichsstadt Dortmund auf. Niemals zuvor war unser Bund mit so großer Zahl dort vertreten. 23 edle Recken und Damen und 9 Zelte stellten ein beeindruckendes Bild dar.

Nur wenig später traf unser Bund sich erneut in einer besonderen Stadt, im Heiligen Köln. In der edlen Stadt, in deren Mauern die Gebeinde der Heiligen Drei Könige ruhen, verbrachten wir eine schöne und sonnige Zeit an den Ufern eines malerisch gelegenen Sees.

Wir beendeten unsere Reisen in diesem Jahr bei einem Besuch des Schlosses Rheydt. Ein letztes Mal genossen wir fremdländische Speisen und erfreuten uns an Musik und Tanz.

Das Jahr endete mit schönen, aber auch unschönen Ereignissen. Wir konnten in unserem Bunde mehrere neue Mitglieder begrüßen, den Mönch Nikodemus mit seiner Schülerin Katharina von Assienda, meine Schwester Catharina von der Linnepe mit ihren Kindern Rudolf und Jennifer sowie den Krieger Benedict von Settina mit seiner Gemahlin Alienor und ihren Kindern. Gleichzeitig verließen uns einige ehemalige Mitglieder.

1210

Das Jahr 1210 brachte uns wieder viel Freunde, leider aber auch so manches Ungemach.  

Wie schon im vorangegangen Jahr verbrachten wir wieder einige schöne Tage in dem außergewöhnlichen Bestiarium in der freien Reichsstadt Dortmund. Die Tage waren wunderschön, die Nächte allerdings waren bitter kalt. Dennoch genossen wir die Zeit. Unserem Bund hatte sich der Krieger Engelbert mit seiner Frau Helena, sowie deren Kinder Norman und Sissy angeschlossen. Ich war von den kämpferischen Leistungen Engelberts sehr angetan, so dass ich ihn in meine Dienste nahm.

Wenige Wochen später reiste unser edler Bund zu einer weit südlich gelegenen Burg nach Dillenburg. Die wehrhafte Feste lag auf einem steilen Berg und beherrschte das gesamte Umland. Ich hatte die Kälte in der Reichsstadt Dortmund beklagt. Wenn ich jedoch gewusst hätte, was mich in Dillenburg erwartete, hätte ich geschwiegen. Nahezu vier ganze Tage und Nächte fror unser edler Bund bei strengem Frost und Eiseskälte auf dem Burgberg. Zudem ließ der Herr es auch noch regnen. Wir hatten den Herrn offensichtlich verärgert, denn warum sonst strafte er uns so mit dieser Kälte. Wir waren bald geneigt, an einen Fluch zu glauben. Und tatsächlich, in unserem Bund kam es zum Streit, zunächst nur sehr versteckt, später immer offener. 

Wie in den Jahren zuvor fuhren wir auch 1210 wieder in die freie Reichsstadt Dortmund. Von dem in unserem Bunde schwelenden Streit war an diesen Tagen nichts zu bemerken.Wir erfreuten uns an seltsamen Gestalten, Gauklern und Musikern und verbrachten einige schöne Tage.

In Rheine jedoch, einer kleinen Gemeinde nahe der Stadt Münster, brachen die Zwistigkeiten wieder auf. Vielleicht war auch das Wetter, das in jenen Tagen ungewöhnlich warm war, der Auslöser. Kurz nach einem starken Gewitter entbrannten die Streitgkeiten, die, wie ich heute weiß, einen Riss in unseren Bund zur Folge hatten. Dennoch gab es auch in Rheine viele schöne Stunden. Unser Lagergelände war von vielen alten Bäumen beschattet, in der Nähe lag auch eine Saline.

Unser nächstes Lager verbrachten wir auf dem Gutshof eines reichen Landadeligen bei der Gemeinde Emsdetten. Aufgrund der Streitigkeiten war unser Bund nicht in voller Stärke erschienen. Vielleicht war dies der Grund, warum unsere Tage in Emsdetten vollkommen ruhig und beschaulich verliefen. Lediglich die Nächte wurden durch gewaltige Blitze erhellt.

Wie so oft beendeten wir unsere Lagersaison in der kleinen Stadt Telgte. Wie schon in Emsdetten waren wir auch hier in kleinerer Zahl erschienen. Unbelästigt von Streitereien oder schweren Gewittern ließen wir die Saison ausklingen.

Dennoch hatten die Streitigkeiten des Jahres 1210 ein Nachspiel. Der Krieger Benedict von Settina verließ uns mit seiner Familie, ebenso wie die  Gauklerin Jocelyn mit ihrem Sohn. Möge der Herr über ihren Wegen wachen und sie finden lassen, was sie sich erhoffen.

1211

Das Jahr 1211 begann für uns mit einer liebgewordenen Tradition. Wir verbrachten wieder einige Tage im Bestiarium der freien Reichsstadt Dortmund. Allerdings wurden meiner edlen Gemahlin und mir einige Hindernisse in den Weg gelegt. Diebe, mögen ihre elenden Seelen für immer in der Hölle schmoren, hatten ein wichtiges Teil an unserem Gepäckwagen gestohlen, so dass wir erst nach einem längeren Aufenthalt bei einem Stellmacher unseren Lagerplatz erreichen konnten. Trotz dieses unschönen Beginns verbrachten wir einige wunderschöne Tage im Bestiarium. Der Zorn und die Zwistigkeiten des letzten Jahres waren verweht, die Harmonie und die Freundschaft wieder eingezogen. Möge der Herr in seiner Gnade auch das restlichen Jahr 1211 mit dieser Harmonie segnen.

Nur wenige Wochen nach unserem ersten Lager bekam unser Bund einen neuen Auftrag. Wir sollten mit einigen anderen Ritterbünden einen Flussübergang an der Ems nahe der Stadt Rheine sichern. Auch dort war uns der Herr gewogen. Wir verlebten einige Tage voller Freundschaft und Harmonie, selbst ein Gewitter am zweiten Tag konnte unsere gute Laune nicht schmälern. Wir hoffen alle, auch im nächsten Jahr wieder diesen schönen Ort besuchen zu können.

Einige Wochen später lagerten wir wieder in der freien Reichsstadt Dortmund. Allerdings hatten wir offenbar die Gunst Gottes verloren. Fast die gesamte Zeit öffnete der Himmel seine Schleusen und überschüttete uns mit endlosem Regen. Dennoch genossen wir die Zeit und ließen uns durch seltsam anmutende Musiker aus verschiedenen Ländern, darunter auch Schotten, unterhalten.

Wenige Wochen später verbrachten wir wieder einige Tage an den Salinen nahe der Stadt Rheine im schönen Münsterland. Ganz anders als im Jahr zuvor war das Wetter kühl und regnerisch. Dennoch genossen wir die Zeit dort sehr.

Der Fluch des schlechten Wetters verfolgte uns auch weiterhin. Wie auch im Vorjahr verbrachten wir wieder einige Tage auf dem Landgut eines reichen münsterländischen Landadeligen. Das Wetter war, ganz im Gegensatz zum vergangenen Jahr, furchtbar. Endloser Regen prasselte auf uns herab, hinzu kamen stürmische Winde, die so manches Zelt zerstörten. Darüber hinaus schickte uns der allmächtige Gott eine weitere Prüfung. Mein Leibwächter Engelbert litt mit einem Male starke Schmerzen. Wie alle anderen vermutete auch ich einen teuflischen Anschlag. Engelbert wurde in ein nahegelegenes Kloster gebracht und dort untersucht. Glücklicherweise stellten sich seine Schmerzen nicht als Teufelswerk heraus, sondern waren Folgen einer alten Kriegsverletzung. Wir alle priesen den Herrn, als er einige Stunden später wieder in unser Lager zurückkehrte.

Einige Wochen später lagerten wir wieder in der Reichsstadt Köln am Fühlinger See. Das Wetter schien es gut mit uns zu meinen und die Sonne lachte vom Himmel. Am nächsten Tage jedoch schien der Herr eine neue Sintflut zu planen. Es regnete nahezu ohne Pause, so dass sich sogar neben unserem Lager ein kleiner Fluss bildete. Das Zelt meines tapferen Leibwächters Engelbert stand vollkommen unter Wasser. Nur unter großen Mühen konnte er sein Hab und Gut retten. Möge der Herr Erbarmen haben mit uns in diesem verfluchten Sommer 1211.

Einge Wochen später lagerten wir erneut im Gebiet des Fürstbistums Münster. Unser Lagergelände lag in Borken, einem Gebiet das von zahlreichen Seen durchzogen wurde. Aber auch diesmal war der Herr erzürnt. Wie schon bei fast allen anderen Lagern des Jahres 1211 erlebten wir endlose Regenschauer und heftige Stürme. Wie müssen wir den Herrn erzürnt haben, dass er uns so mit Regen und schlechtem Wetter straft. Vielleicht sollten wir vor den Lagern des nächsten Jahres eine große Bußpilgerfahrt ins Heilige Köln unternehmen, um uns von unseren Sünden reinzuwaschen.

1212

Das Jahr 1212 begann für uns ruhig und voller Harmonie, allerdings auch mit einer schlechten Nachricht. Das Bestiarium der Stadt Dortmund, wo wir die letzten Jahre immer die Saison begonnen hatte, verschmähte uns in diesem Jahr. Einen Grund dafür konnte oder wollte man uns nicht nennen. 

Wir ließen uns aber von dieser Nachricht nicht verdrießen, sondern fanden schnell einen anderen Lagerort in der Stadt Dortmund, an der dortigen Rennbahn. Reiche Adelige und  Kaufleute hatten dort vor vielen Jahren ein Gelände geschaffen, um dort ihre Pferde Rennen laufen zu lassen. Am Rande dieses Geländes lagerten wir nun vier Tage lang. Das Wetter war uns die meiste Zeit hold, lediglich in der Nacht regnete es etwas. Leider war auch unser dortiger Aufenthalt nicht ohne Ungemach. Meine Schwester Catharina von der Linnepe hatte offenbar vergiftetes Wasser getrunken, so dass sie das Lager bald wieder verlassen musste. Auch meine Frau Constance und die Gemahlin meines Leibwächters Engelbert, die edle Helena, hatten so maches gesundheitliche Problem. Wir anderen aber verbrachten dort eine schöne und sonnenreiche Zeit. Dennoch mussten wir fast jeden Tag gegen eine räuberische Kinderschar kämpfen, die uns bestehlen wollte. Aber Dank der Gnade Gottes überstanden wir die Kämpfe unverletzt.

Nur wenig später wurden wir wieder zum Schutz des Emsübergangs eingesetzt. Es kam zu wilden Schlachten mit dort überraschend auftauchenden Nordmännern, glücklicherweise gab es keine Toten und nur wenige Verletzte. Anders als im letzten Jahr war der Himmel uns diesmal gewogen. Das Wetter blieb wunderschön und warm. Als eine weitere Freude konnten wir vor Ort den Geburtstag unseres guten Freundes David von der Stenz feiern, der uns allemit einem üppigen Mahl verwöhnte. Möge der Herr ihm noch viele Jahre schenken.

Einge Wochen später fuhren wir wieder in die freie Reichsstadt Dortmund, um dort bei dem großen Markt zu lagern. Leider war uns das Wetter beim Aufbau nicht hold, es regnete endlos. Aber unser Lagerplatz war auserlesen. Wir lagerten an einem malerischen See, der uns gute Jagdmöglichkeiten auf die dort zahlreich lebenden Enten und Fische bot. Leider war der Markt nicht so erfreulich wie in den letzten Jahren. Es trieb sich dort derartig seltsames Volk und Gelichter umher, dass man Angst um sein Hab und Gut haben musste. Doch gab es auch Erfreuliches zu berichten. Der Maurermeister Falk schloss sich mit seiner reizenden Gemahlin Ella unserem Bund an und wird mir fortan als Waffenknecht dienen.

Wie auch in den letzten Jahren lagerte unser Bund auch im Jahre 1212 wieder an den Salinen in Rheine. Mich traf allerdings großes Ungemach. Eines meiner Kinder erkrankte, so dass meine Gemahlin Constance zuhause blieb, um es zu pflegen. Gott sei Dank erholte es sich rasch. Wir anderen aber erlebten sonnige und fröhliche Tage in Rheine.

Für unser letztes Lager in diesem Jahr hatten wir geplant, in der Stadt Essen nahe der Burg Altendorf zu lagern. Leider kam es zu unerwarteten Problemen. Unser Lagerplatz erwies sich als völlig ungeeignet, so dass sich Verzweiflung ob der schlechten Lage breit machen wollte.Hinzu kam ein kalter und alles durchnässender Regen. Glücklicherweise hatte Ella, die zauberhafte Gemahlin meines Waffenknechts Falk eine rettende Idee. In Recklinghausen hatte sie und ihr Gatte ein kleines Stück Land, auf dem wir lagern konnten. Somit brachen wir die Zelte im ungastlichen Essen ab und zogen nach Recklinghausen. Eine wahrhaft glückliche Entscheidung. Wir wurden gastlich aufgenommen, fanden alle eine Schlafstadt und konnten dort einige wunderschöne Tage bei herrlichstem Sonneschein verbringen. So endete das Jahr für uns mit einem denkwürdigen Erlebnis.

Im Dezember des Jahres vollbrachte unser Bund noch eine Tat für die Armen und Bedürftigen. Wir unterstützten den Ritterorden der Malteser bei einem Fest, dass dieser zu Gunsten der Armen gab. Trotz sehr kalten Wetters konnten wir den Armen und Bedürftigen auf wirksame Weise helfen.

1213

Das Jahr 1213 begann für unseren Bund mit der Teilnahme an einem traditionsreichen Dorffest in der alten Stadt Herdecke. Wir päsentierten unsere Waffen und Rüstungen. Zudem war ein gelehrter Stuiosus in unseren Reihen, der dem ungebildeten Volk das Schreiben beibrachte. Wir verbrachten dort einen wunderbaren Tag, der den Ruhm unseres Bundes sicherlich mehrte.

Nur wenig später gedachten wir, einige Tage in Datteln, einer kleinen Ortschaft in der Nähe vom Vest Recklinghausen zu verbringen. Doch der Himmel meinte es nicht gut mit uns. Es begann zu regnen. Es regnete Tage um Tage, ohne Unterlass. Schließlich bekamen wir einen Eindruck, wie der Herrgott unsere Erde in der Sintflut versinken ließ. Unserern Aufbruch mussten wir um einen Tag verschieben, da unser Lagerplatz vollkommen untauglich war und wir dort bis an die Knöchel im Wasser standen. Doch bald danach wurden unsere Gebete erhört und der Herr hatte ein Einsehen mit uns. Das Wetter klarte auf und wir verbrachten einige unbeschwerte Tage in Datteln. Selbst kleinere Regenschauer konnten nicht unsere gute Stimmung trüben.

Voller guter Stimmung fuhren wir alsbald erneut zu den Salinen nach Rheine. Es schienen unbeschwerte Tage zu werden, die Sonne schien, all unsere Kinder waren gesund, dementsprechend war unsere Stimmung. Doch wieder einmal wurden wir Opfer eines teuflischen Planes. Dem Teufel schien es nicht zu gefallen, wie sehr unser Bund wuchs und gedieh. So säte er erfolgreich Unfrieden und Zwietracht, die darin gipfelte, dass mein Leibwächter Engelbert mich mitsamt meiner Familie verließ.

Trotz dieses eher unschönen Ereignisses zogen wir frohgemut in die Stadt Herne, um dort am Wasserschloss Strünkede zu lagern. Welch ein guter Entschluss! Wir verbrachten dort die harmonischsten Tage des gesamten Jahres. Der Segen unseres Herrn lächelte auf uns herab. Trotz einigen Regens schenkte er uns zumeist sonniges Wetter und einige wunderschöne Tage. Am Ende dieser schönen Zeit ergriff mich jedoch ein tückisches Fieber, das mich für einige Zeit auf mein Lager warf. Doch mit der Hilfe eines weisen Medicus und meiner Gebete überstand ich diese Krankheit.

1214

Frohgemut begannen wir das Jahr 1214. Erneut bat uns der Stadtrat der Stadt Herdecke, unsere Waffen, Rüstungen und sonstige Ausrüstung zu präsentieren, eine Bitte, der wir mit Freunden nachkamen. Allerdings hatte in diesem Jahr der Herr wenig Nachsicht mit uns. Der Himmel öffnete immer wieder seine Schleusen.

Wie schon des öfteren verbrachten wir danach einige Tage an der Emsfähre in der Nähe der Ortschaft Rheine. Die Sonne meinte es gut mit uns und wir verbrachten dort einige wundervolle Tage. Eine besondere Freude waren die neuen Gefährten, die der Herr uns schenkte. Ein Alchemist, reich an geheimen Wissen, den Söldner Michael und die wunderschönen Jungfern Mara und Sarah. Wehmütig betrachteten wir die Emsfähre, da dies das letzte Lager an diesem schönen Ort sein sollte.

Wenige Wochen später planten wir den erneuten besuch der kleinen Stadt Datteln. Das Wetter in diesen Wochen war meist schlecht. Dieses schlechte Wetter war jedoch nichts im Vergleich mit den schweren Stürmen, die bald darauf folgten. Der allmächtige Gott zeigte seine Kraft und ließ Wälder wie Reisig umknicken. Dies traf auch unseren Lagerplatz. Doch mit Gottes Hilfe fanden wir einen neuen Lagerplatz an einem Gewässer. Dort lagerten wir vier wundervolle Tage, labten uns an gutem Essen und genossen die Gesellschaft unserer neuen Gefährten und die Besuche zahlreicher alter und neuer Freunde.

Wie die letzten Jahre zuvor auch zog unsere Gemeinschaft alsbald nach Rheine. Dort gab es einen besonderen Anlass zu feiern. Corvus Albus, unser ehrwürdiger Bund, wurde zehn Jahre alt. Wenn ich über diese vergangene Decade nachsinne, erscheint mir heute manches im Abstand der Jahre als unglaublich. Freude und Leid teilten wir in den letzten zehn Jahren. Dieses Ereignis feierten wir mit einem großen Feste und luden zahlreiche Gäste aus dem In- und Ausland ein. Musik und Tanz machten das fest zu einem besonderen Ereignis, zumal meine Frau Constance das Festessen zubereitete. Möge unser Bund weiterhin so glücklich gedeihen.

Kurze Zeit später feierte ein reich begüterter Landadeliger das langjährige Bestehen seines Hofes in dem kleinen Dorf Halden nahe meiner Heimatstadt. Unser Bund zog mit einigen Kriegern und Maiden dort hin und zeigten dort unsere Waffen und Ausrüstung. Groß war das Interesse der zahlreichen Gäste an unserem Besitz und an unserem Können.

Der Höhepunkt des Jahres war dann allerdings eine Fahrt in den Norden ins Land der Friesen. Am Rande der Nordsee lagerten wir nahe des Meeres auf einem wundervollen Sandstrand. der Herr schien mit un zufrieden zu sein und segnete unseren Aufenthalt dort mit sonnigem Wetter und wundervollen Nachbarn. Eine Gruppe einstmals heidnischer Nordmänner lagerte zusammen mit uns und wurden innerhalb weniger Tage zu guten Freunden. Oft saßen wir bis tief in die Nacht bei Met und Bier am Lagerfeuer. Immer wieder erfreute uns zudem meine edle Gattin Constance mit wundervollen Gerichten.

Das letzte Lager in diesem so segensreichen Jahr verbrachten wir in meinem Heimatort. Doch diesmal schien der Herr mich verlassen zu haben. Ungeheuer waren die Schwierigkeiten, die der Teufel uns bei diesem Lager bereitete. lediglich unser fester Glaube und meine treuen Gefährten ließen mich nicht verzweifeln, so dass wir alle das Lager gut und gesund überstanden.

Ein ereignisreiches Jahr geht nun zu Ende. Es brachte große Freunde, schenkte uns wundervolle Gefährten und neue Freunde, aber sparte auch nicht mit Leid. So beklage ich, dass mein langjähriger Weggenosse David von der Stenz unseren Bund verlässt, um sich anderen Aufgaben zu widmen. Mögen meine Segenswünsche ihn auf seinem zukünftigem Wege begleiten.

zurück